Eine der größten Herausforderungen für die Durchführung einer Tierschau mit Bauernmarkt und Gewerbeausstellung ist es, einen passenden Standort bzw. einen Betrieb zu finden, der sein Gelände überhaupt zur Verfügung stellt. Als Klaus Kettmann vor etwa 3 Jahren gerade seinen neu gebauten und mit viel Kuhkomfort ausgestatteten Laufstall in Betrieb genommen hatte, bot er sich als interessierter Tierschaubeschicker „freiwillig“ an, die nächste Tierschau für den Altkreis Bersenbrück auf seinem Hofgelände stattfinden zu lassen. Alle Besucher, die am Sonntag, dem 28. August 2022, zum Hof Kettmann kamen, konnten sich davon überzeugen, dass dies für alle Seiten eine äußerst glückliche und gute Entscheidung war. Unter idealen Witterungsbedingungen (20-24 Grad und leichter Brise) verbrachten Tausende von Besuchern einen erlebnisreichen Tag. Sie konnten sich sowohl in allen Stallungen des Betriebes, auf dem Gelände, den vielen Ständen des Bauernmarktes und der Gewerbeschau ausgiebig zur heutigen Landwirtschaft informieren sowie bei der Tierschau mit angegliedertem Jungzüchter-Vorführwettbewerb einen Eindruck vom Stand der züchterischen Arbeit in der Region verschaffen. Der Hausherr, Klaus Kettmann, hatte übrigens an diesem Tag Geburtstag und obwohl dies sicher nicht alle Besucher wussten, fühlten sie sich alle auf seinem Hof eingeladen und nahmen die vielfältigen Angebote gerne an.

Nachdem 3 Jahre lang coronabedingt keine Tierschau stattfinden konnte, war das Teilnehmer-Interesse enorm. Trotz einiger Abmeldungen verblieben 30 Betriebe aus dem Altkreises Bersenbrück mit gut 120 Kühen im Wettbewerb, und nebenan im Jungzüchterring gab eine Rekord-Beteiligung mit 68 Jungzüchter/innen aus dem gesamten OHG-Gebiet.

Tierschau Osnabrück

Spannender Auftakt mit Betriebssammlungen

Mehr als die Hälfte der teilnehmenden Betriebe stellte sich dem prestigeträchtigen Wettbewerb der Betriebssammlungen, in dem man möglichst 3 gut zusammenpassende Kühe von jedem Betrieb als Kollektion präsentiert werden. Je nach Betrieb und den ausgewählten Schaukühen war natürlich die Zusammensetzung sehr unterschiedlich. So präsentierte Uwe Reinermann eine Gruppe von 3 alten Kühen, die in Summe über 300.000 kg Lebensleistung erreicht hatten und sich sehr frisch und mit einer guten Euterqualität zeigten. Sie verdienten sich damit eine ehrenvolle Erwähnung. Die Siegerentscheidung fiel aber zwischen den beiden Sammlungen von Annen und Bielefeld, wobei die Farbkombination schwarz-rot-weiß von Bielefeld am Ende erfolgreich war. Trotz der unterschiedlichen Farben der Kühe zeigten sie sich sehr uniform und hatten leichte Vorzüge in der Euterbalance und Strichplatzierung gegenüber den ebenfalls mit guter Euteraufhängung und top Fundamenten ausgestatteten Annen’schen Kühe.

Siegersammlung von Bielefeld, Dalvers

Reservesieger-Sammlung von Annen, Loxten

Beeindruckende alte Kühe

Während bei vielen anderen Tierschauen oft bemängelt wird, dass zu wenig alte Kühe ausgestellt werden, war bei dieser Tierschau erfreulicherweise die Anzahl gemeldeter Kühe und damit auch die Zahl der Richtklassen (8) bei den alten Kühen bzw. Lebensleistungsklassen am höchsten. Die beiden Preisrichter-Duos, Anna Gr. Börding mit Hendrik Wille sowie Jonas Loxtermann mit Jürgen Ballmann, zeigten sich von einigen Klassen bis zur letzten Kuh sehr angetan. In der beeindruckenden Endlinie der acht 1a- und 1b-platzierten dieser Alterskategorie fand man sowohl von Verbandsschauen her bekannte Kühe wie die frühere Schwarzbunt-Tage-Siegerin MEY Micah Dagmar oder die von Frank Neßlage präsentierte Defender Henrike, als auch eine Vielzahl erstmalig auf einer Schau präsentierten Kühe. Am Ende gaben die Preisrichter bei der enorm einheitlichen Qualität doch der erreichten Lebensleistung und damit dem Alter verdientermaßen den Vorzug. Somit wurde die mit enormer Stärke und einem nach wie vor beeindruckenden Euter ausgestattete AltaRoss-Tochter RR Rita von Reinermann Siegerkuh, die übrigens erstmals auf einer Schau teilnahm, vor der nach wie vor sehr frischen und ebenfalls in der 8. Laktation befindlichen MEY Dagmar von Meyer in Kettenkamp.

Siegerin Alt – RR Rita von Reinermann, Rüsfort

Reservesiegerin Alt – MEY Dagma von Meyer, Kettenkamp

Vielfalt und Ausgeglichenheit bei mittleren Kuhklassen

Nachdem Hartwig Meyer bei den alten Kuhklassen mit vier 1a-Preisen am erfolgreichsten war, konnte Frank Neßlage in den 7 mittleren Kuhklassen drei 1a-Preise und auch drei 1b-Preise erringen und damit die meisten Tiere in der Endlinie präsentieren. Gleichwohl musste er sich mit einem Siegerpreis noch gedulden, da zwei Kühe von anderen Beschickern doch am Ende die Nase vorn hatten. Das Siegerduo bei dieser Kategorie bestand aus der stilvollen weißen und mit einem wunderschön beaderten Euter ausgestatteten RR Gymnast Paloma von Reinermann vor der dunklen und mit einem enorm hoch und breit angesetzten Hintereuter ausgestatteten 1st Grade My Francine vom Gastgeber Klaus Kettmann aus Loxten.

Sieger Mittel – RR Paloma von Reinermann, Rüsfort (li.)

Reservesieger Mittel – My Francine von Kettmann, Loxten (re.)

Ausgeglichene Färsenklassen

In den abschließenden sechs Färsenklassen beeindruckte die Ausgeglichenheit in jeder Richtklasse sowie zwischen den Altersgruppen. Auch bei den jüngsten stachen einige enorm entwickelte und zugleich nach wie vor jugendliche korrekte Färsen hervor. Ebenso zeigten die älteren Färsen nach wie vor sehr viel Frische, Stil und Korrektheit. Bei der Siegerauswahl setzte sich dementsprechend aus der ältesten Färsenklasse die rotbunte Jordy-Tochter HAM Haja von Frank Neßlage als Siegerin durch. Sie überzeugte Hendrik Wille nicht nur durch ihre rote Farbe, sondern durch die Portion extra Stil und Schautyp vor der nachfolgenden äußerst korrekten, dunklen Alamo-Tochter MEY Afrodite aus der Airline-Familie von Hartwig Meyer.

Siegerin Jung – HAM Haja von Neßlage, Nortrup

Reservesigerin Jung – MEY Afrodite von Meyer, Kettenkamp

Jungzüchterwettbewerb auf höchstem Niveau

Zum diesjährigen Jungzüchterwettbewerb waren 74 Teilnehmer/innen angemeldet und bei nur sehr wenigen Absagen lieferten sich 68 Jungzüchter einen interessanten Vorführwettbewerb. Sie stellten Preisrichter Johannes Henkelmann das eine oder andere Mal vor schwierige Entscheidungen. Bei den allerjüngsten imponierten dem Preisrichter das Engagement und das bereits enorme Wissen der Jungzüchter/innen. Mit zunehmendem Alter überzeugten mehr und mehr die Feinheiten bei den Vorführleistungen. Siegreich in der jüngsten Kategorie war Lukas Kolckhorst-Kahle mit seiner Caruso-Tochter Atlanta vor einer der jüngsten Teilnehmerinnen, Wilma Gärke aus Vennermoor.

Besonders stark besetzt war die Kategorie der 10- bis 15jährigen, wobei diese großen Richtklassen am Ende ausschließlich von Jungzüchterinnen gewonnen wurden. In einer knappen Richtentscheidung konnte Jule Dresselhaus aus Schale hier den Sieg erringen vor Maleen Rottmann aus Niewedde. Maleen Rottmann war aber zum Abschluss mit ihrem Tier, der Alligator-Tochter BAL Lovely Layla, noch erfolgreich im Typtier-Wettbewerb.

Bei den älteren Teilnehmern waren die Vorführleistungen schon so professionell, dass Johannes Henkelmann zusätzliche Herausforderungen wie Tiertausch als Kriterium für seine Entscheidung hinzunehmen musste. Am Ende konnte sich Theresa Bekehermes, die auch kürzlich den Reserve-Siegersieg bei den Jungprofis in Tarmstedt errang, als Siegerin durchsetzen vor Jan-Wilhelm Niemeyer aus Ostkilver.

Sieger Jung: – Lukas Kolckhorst Kahle, Haltern (2. v.r.)

Reservesieger Jung: Wilma Gärke, Vennermoor (2. v.l.)

3. Platz – Eric Langkamp (links)

mit Preisrichter Johannes Henkelmann (rechts)

Sieger Mittel – Jule Dresselhaus, Schale

Reservesieger Mittel – Maleen Rottman, Niewedde

3. Platz – Madita Wissmann, Suttorf

Sieger Alt – Theresa Bekehermes, Kettenkamp (2. v.l.)

Reservesieger Alt – Jan Wilhelm Niemeyer, Ostkilver (2. v.r.)

3. Platz – Laura Allerdissen, Westerhausen (links)

Sieger Typtier – BAL Lovely Layla – Maleen Rottmann, Niewedde

Richtergebnisse Tierschau Osnabrück