Zwei Tage nach der Zuchtviehauktion fand in der Versteigerungshalle der Halle Gartlage die traditionelle OHG-Bezirksversammlung zum Jahresabschluss statt. Hajo Leyschulte zeigte sich erfreut über den sehr guten Besuch mit gut 150 Teilnehmern im „Wohnzimmer der OHG“. Er stellte die Versammlung unter das Motto „Chancen und Risiken“. Den Part der überwiegend positiven Nachrichten fiel in diesem Jahr Hans-Willi Warder in seinem Geschäftsbericht über die OHG zu. Denn dort konnten die im Verlaufe des letzten Geschäftsjahres sehr guten Rindfleisch- und Milchpreise auch in außerordentlich gute Absatzergebnisse beim Zuchtvieh umgemünzt werden. Trotz des knapperen Angebotes und damit 10 % Rückgang bei der Stückzahl, wurde ein Umsatzplus von 25 % und damit ein Rekord von 12,4 Mio. € in diesem Bereich erzielt. Herausragend waren hierbei die Auktionsergebnisse mit dem Jahresdurchschnitt um 3.050 € bei den Rindern. Auf den Auktionen sind dabei auch die Qualitätsdifferenzierungen am größten, sodass beispielsweise die besten 10 % der Rinder sogar in den letzten 6 Monaten des GJ 2024/25 zwischen 4000 € und 4500 € lagen.
Nennenswert ursächlich für die aktuelle deutliche Überlieferung gegenüber den Vorjahren und damit den Preisdruck seit Herbst auf den Milchmarkt sind die durch die Blauzungenschäden im Spätsommer 2024 verursachten Verschiebungen bei den Abkalbungen über das Jahr: Damit hatten wir gegenüber den Vorjahren deutlich mehr Kalbungen in den Monaten Juli bis September und andererseits einen starken Rückgang in den Monaten April und Mai. Auch Heiner Vodegel zeigte in seinem späteren Leistungsbericht, dass im Unterschied zu den früheren Jahren der sonst übliche Abfall der durchschnittlichen Milchleistung pro Kuh und Tag ab Juli ausblieb und faktisch in Verbindung mit der Kuhzahlentwicklung sogar die insgesamt produzierte und abgelieferte Fett- und Eiweißmenge seit August kontinuierlich anstieg und sich auch im November immer noch auf einem Höchststand befindet (+ 7 % bis + 9 % zu den Vorjahren):

Aus dem Besamungsbereich der OHG konnten durchweg positive Ergebnisse vermeldet werden: mit nahezu stabilen Besamungszahlen innerhalb des Mitgliedergebietes und aufgrund der herausragenden Zuchtwertergebnisse der OHG im letzten Jahr eine deutliche Steigerung des Spermaverkaufes in andere Zuchtgebiete Deutschlands; leider waren die Exportumsätze bedingt durch Blauzungenrestriktionen und teils MKS-Status etwas rückläufig. Ursächlich für die Attraktivität der Osnabrücker Bullen sind zunächst die herausragenden Ergebnisse der Top-5 töchtergeprüften Bullen (MIRCO, SIMBA P, SUNRISE, CARUSO und GENIUS). Zudem hat die OHG kontinuierlich im genomischen Bereich einige sehr komplette und damit für alle Züchter attraktive Bullen wie NEXTLEVEL, SKIP oder MEGA-RED P in ihrem Angebot.
In der späteren Bullenpräsentation konnte Maik Wittemeier aufzeigen, dass die OHG aktuell neue interessante Verstärkung zu bieten hat mit REWARD als Nr. 1 Milchbulle sowie REBEL als Nr. 1 RZE-Bulle; auch der frühe Comet-Sohn CORMICK gehört zu den Top 5 für RZE.
Hans-Willi Warder ging zum Abschluss in seinem Geschäftsbericht auf die im Laufe des Jahres erneut hervorragenden Ergebnisse der Osnabrücker Jungzüchter bei überregionalen Wettbewerben ein. Zudem wies er auf das anstehende 125-jährige Jubiläum der OHG im Jahr 2026 hin, welches die anstehenden 47. Internationalen Osnabrücker Schwarzbunt-Tage am 31.01.2026 zu einem besonderen Event machen sollten.
Prof. Dr. Christa Kühn informiert zum aktuellen Stand und Risiken aus dem Tiergesundheitsbereich
Den Part der Information über „Risiken“ fiel in diesem Jahr Prof. Dr. Christa Kühn zu, die als Präsidentin des Friedrich-Löffler-Institutes (FLI) einen kurzen Einblick in diese Bundeseinrichtung und ihre Aufgaben gab.
Zu dem MKS-Fall Anfang des Jahres in Brandenburg resümierte sie, dass man durch frühzeitige Erkennung und das Ergreifen von Maßnahmen sowie durch den Umstand, dass der betroffene Betrieb keine weiteren direkten Kontakte hatte, am Ende großes Glück hatte und es damit auch gelungen ist, in Rekordzeit von sechs Monaten die Wiederanerkennung des WOAH-Freiheitsstatus zu erlangen. Frau Prof. Kühn wies aber anschaulich darauf hin, dass vermutlich allein aufgrund der enormen Häufigkeit von neuen MKS-Fällen in der Türkei (und auch anderen Regionen, aus denen Leute nach Deutschland einreisen) nicht auszuschließen ist, dass dieses Virus tagtäglich wieder neu eingeschleppt werden kann. Schwerpunkt ihrer Risikoanalyse waren aber die vektorübertragenden Krankheiten wie die unterschiedlichen Blauzungen-Serotypen sowie auch Lumpy-Skin-Disease in Südeuropa. In Bezug auf Blauzunge ließ Frau Prof. Dr. Kühn keinen Zweifel daran, dass eine frühzeitige Impfung neu heranrückender Serotypen wie aktuell BTV-8 und zugleich die Wiederauffrischung der BTV-3-Impfung unbedingt sinnvoll und notwendig sind, um ähnliche Schäden wie bei BTV-3 im Spätsommer 2024 zu vermeiden. Laut den Berichten und ihrer Einschätzung ist der aktuell aus Frankreich bzw. dem Südwesten näherkommende BTV-8‑Serotyp deutlich aggressiver, als der erstmals 2006 in Deutschland aufgetretene BTV-8‑Typ. Wie erfolgreich konsequente Impfmaßnahmen sind, zeigte Frau Prof. Kühn auch am Beispiel der EHD-Bekämpfungsmaßnahmen in Frankreich: Nach massiven Ausbrüchen in 2024 hat dann das Anlegen eines breiten Impfgürtels geholfen, dass es in diesem Jahr kaum mehr zu einer weiteren Verbreitung gekommen ist. Bedeutsamer und noch problematischer ist allerdings das Lumpy-Skin-Disease-(LSD)-Geschehen. Diese Krankheit gehört einerseits zur Kategorie A (wie auch MKS), sodass die EU-Bekämpfungsmaßnahmen beim Befall auch vollständige Keulung der betroffenen Herden zur Folge haben. Trotz auch in den Regionen durchgeführter Notimpfungen hat es aber offenbar immer wieder größere Sprünge und damit neue Seuchenherde gegeben, die vermutlich auf teils illegale Tiertransporte zurückzuführen sind. Grundsätzlich führte Frau Prof. Dr. Kühn aus, dass u. a. bedingt durch den Klimawandel und vielfältige Wareneinfuhren (z. B. Blumen aus Afrika) es nahezu unvermeidlich ist, dass zunehmend Überträger (Insekten, Gnitzen), die früher bei uns nicht heimisch waren, sich auch bei uns adaptieren und zugleich aus den Herkunftsregionen neue Krankheitserreger mitbringen können.
In der nachfolgenden Diskussion über mögliche Vorsorgemaßnahmen macht Frau Prof. Dr. Kühn deutlich, dass die wirkungsvollste und damit wichtigste Maßnahme für alle tierhaltenden Betriebe grundsätzlich die konsequente Nutzung von betriebseigener Schutzkleidung bei der Tätigkeit von betriebsfremden Personen oder Besuchern in dem Betrieb sei.
Züchterehrungen: 9 neue 10-Tonner
Zum Abschluss der Versammlung wurden noch die Besitzer der im letzten Jahr hinzugekommenen neuen 10-Tonner-Kühe geehrt. Nach dem Rekordergebnis im Vorjahr (17) waren es in diesem Jahr mit 9 aber nach wie vor die zweithöchste Anzahl neuer 10-Tonner. Besonders zu erwähnen ist hierbei als jüngste neue 10-Tonnerin die Boss-Tochter RR Rita VG-89 vom Betrieb Reinermann: Sie schaffte diese enorme Leistung bereits im Verlaufe ihrer 6. Laktation und ist damit zugleich die dritte Generation 10-Tonner in Folge, denn ihre Mutter, Beacon Rita EX-96, hatte die 10-Tonnen im Vorjahr erreicht und die Großmutter, RR Lightning Rikana EX-91, hatte 2020 die 10-Tonnergrenze überschritten.
Allen Besitzern möchten wir aber ganz besonders zu diesen herausragenden Leistungen gratulieren.
