Am 2. und 3. September 2025 wurden in diesem Jahr die Treffen der KuhVisions-/Herdentypisierungsbetriebe auf den Betrieben Beyer, Seeste sowie Ober-Niederniehaus GbR, Melle durchgeführt. Beide Veranstaltungen hatten eine sehr gute Resonanz mit über 50 Landwirten und Auszubildenden pro Abend.

Beim ersten Treffen auf dem Betrieb Beyer konnten sich alle Teilnehmer einen Eindruck verschaffen von der beeindruckenden Entwicklung dieses Betriebes (siehe Betriebsreportage im Mitteilungsblatt Herbst 2024). Nach der Umstellung auf die neue Melkroutine mit dreimaligem Melken im 24er-Swing-Over-Melkstand liegt jetzt der gleitende Herdenschnitt bei über 15.000 kg. Ein Highlight des Betriebsrundganges war die Präsentation der vielfachen Bullenmutter Miss Bennie, die vor 6 Wochen in ihre 2. Laktation gestartet ist. Sie hat nicht nur die beiden Besamungsbullen ARCTIC (OHG) und Rookie (Qnetics) geliefert, sondern auch eine Vielzahl hoher weiblicher Nachkommen. Robert Beyer sieht sie als den besten Beweis für die gute Vorhersagekraft von genomischen Zuchtwerten. Als sie damals als Kalb mit überragenden Zuchtwerten auffiel, war er noch etwas skeptisch, aber letztlich hat er sich doch darauf verlassen und sie intensiv über Embryotransfer vermehrt. Sie bestätigte ihre genomischen Werte durch eine erste Laktation von über 14.500 kg Milch, eine VG-86-Einstufung sowie tadellose Gesundheit und Fitness.

Miss Bennie

Am zweiten Abend bei der Ober-Niederniehaus GbR lagen die Schwerpunkte der Betriebsvorstellung etwas anders. Frederik Niederniehaus berichtete sehr offen über die Umstellung vor ca. 1 ½ Jahren auf drei GEA-Melkroboter in dem bis dahin laufenden Melkstandsystem. Im Nachhinein sind alle drei GbR-Partner sehr zufrieden damit, dass man sich für die anfänglich etwas teurere Lösung mit Anbau eines neuen Gebäudes für die Roboter und einen angrenzenden Strohstall für Selektionstiere am Ende des Stalles entschieden hat, statt eines Einbaus im vorherigen Melkstandbereich. Der Kuhverkehr funktioniert somit zwischen dem alten und neuen Stallteil reibungslos. Eine Herausforderung seit der Roboterumstellung ist aber die Eutergesundheit. Obwohl man schon viele Managementmaßnahmen diesbezüglich getestet hat, hat dies bislang noch nicht zu einem durchschlagenden Erfolg geführt und die Zellzahl nachhaltig verringert. Da die Aufzuchtkapazitäten im Betrieb begrenzt sind, werden seit einiger Zeit die genetisch schwächsten 20 % der Kühe mit Fleischrassen besamt. Infolge erhöhter Verluste durch die Blauzungeninfektion sowie einer gezielten Merzung von Kühen mit erhöhter Zellzahl stieß der Betrieb jedoch an die Grenzen der Eigenremontierung und war zuletzt auf Zukäufe angewiesen. Da von den Anwesenden sich mehrere in Überlegungen für die Umstellung auf Roboter befinden, gab es sowohl beim Betriebsrundgang, als auch im Nachgang viele konstruktive Gespräche zu der jeweils betriebsindividuell besten Lösung.

Nachfolgend wurden den Teilnehmern noch einige Updates zur Herdentypisierung, einer anstehenden Online-Umfrage sowie aktuellen züchterischen Themen präsentiert.

Daniel Langer zeigte die Entwicklung beim Typisierungsumfang für ganz Deutschland und speziell im OHG-Gebiet auf. Mehr als 70 Betriebe im OHG-Bereich nutzen mittlerweile die Herdentypisierung und damit ist nahezu ein Drittel aller Herdbuchtiere im OHG-Gebiet genomisch typisiert. Da der Umfang in den letzten Jahren durchschnittlich um etwa 10 Betriebe pro Jahr wächst, dürfte man in den nächsten Jahren bald die 50 %-Marke bei den HB-Tieren überschreiten. Sowohl anhand aller Daten aus den OHG-Betrieben als auch speziell am Beispiel der Betriebe Beyer bzw. Ober-Niederniehaus konnte eindrücklich anhand der Diagramme von „Genotyp-Phänotyp-Vergleich“ (mittlere Differenzierung der Phänotypen nach den 4 Zuchtwertklassen (von unterste bis oberste 25 %)) gezeigt werden, dass die genomischen Zuchtwerte im Mittel eine sehr gute Vorhersage für das tatsächlich realisierte Potenzial in den jeweiligen Merkmalen bieten. Damit bilden sie eine optimale Grundlage für eine bestmögliche Selektion-/Anpaarungsplanung aller Tiere in der Herde.

Karla von Lojewski führt zurzeit im Rahmen ihres Masterstudiums ein Projekt bei der OHG zur Ermittlung der wichtigsten Motivationsgründe für die Nutzung von Typisierungen durch. Für die zukünftige Weiterentwicklung sollen auf Grundlage der Umfrageergebnisse gezielt Ansätze zur Optimierung entwickelt werden. Sie bat alle Teilnehmer darum, ihren Online-Fragebogen möglichst innerhalb der nächsten Tage zu bearbeiten, damit sie dann bei nächster Gelegenheit über ihre Schlussfolgerungen berichten kann.

Herr Warder informierte abschließend über einige aktuelle züchterische Themen wie beispielsweise die Einführung von Beef on Dairy-Zuchtwerten zur August-Zuchtwertschätzung sowie einen Testlauf für Zuchtwert auf Zwillingshäufigkeit. Im nächsten Jahr steht dann das Thema Hitzetoleranz im Fokus. Einerseits ist zur April-Zuchtwertschätzung 2026 die Einführung eines bundesweiten Zuchtwertes auf Hitzetoleranz anhand von Wetterdaten und individuellen Reaktionen von Tieren bei höherem THI (kombinierter Wert aus Temperatur und Luftfeuchte) an. OHG-seitig ist zudem gemeinsam mit FBF und der JLU Gießen die Durchführung eines Projektes zum Slick-Gen geplant. Sobald es hierfür durch die Förderinstitution (BLE) grünes Licht gibt, könnte dann voraussichtlich ab Beginn 2026 mit der Erzeugung von Tieren aus Anpaarung mit Slick-Bullen gestartet werden. Im Fokus steht dabei eine Validierung unter hiesigen Klimabedingungen zu möglichen Vorteilen bei extremeren Hitzeperioden von Tieren, die das Slick-Gen (glatte Haut mit höherem Schweißdrüsenpotential) erhalten haben, mit ihren Vergleichstieren (ohne Slick-Gen).

Abschließend nutzten an den Abenden alle Anwesenden noch die Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch untereinander. Im Namen aller Teilnehmer möchten wir uns ganz herzlich bedanken für die Bereitschaft der beiden Betriebe, dass wir dort in diesem Jahr für unsere KuhVisions-/Herdentypisierungstreffen zu Gast sein durften.